Familienministerin Verena Schäffer hat heute den neuen Kita-Sozialindex vorgestellt. Demnach weisen 1.343 Kitas in NRW einen hohen Unterstützungsbedarf mit einem Sozialindex von 7 bis 9 auf. Vom Kita-Jahr 2027/2028 an sollen zunächst aber nur bis zu 150 Einrichtungen als Chancen-Kitas jährlich 60.000 Euro zusätzlich erhalten. Gleichzeitig wird der weitere Ausbau der Familienzentren weitgehend gestoppt. Hierzu erklärt Dr. Dennis Maelzer, familienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW:
„Ein Kita-Sozialindex ist richtig. Wo besonders viele Kinder unter schwierigen Bedingungen aufwachsen, müssen auch mehr Mittel ankommen. Der Index allein schafft aber noch keine besseren Chancen. Von 1.343 Kitas mit hohem Unterstützungsbedarf sollen zunächst höchstens 150 zusätzlich gefördert werden. Für viele Kinder bleibt die neue Unterstützung damit außer Reichweite. Nach dem vorgesehenen Verteilschlüssel drohen sogar ganze Jugendamtsbezirke leer auszugehen.
Völlig falsch ist es, dafür den Ausbau der Familienzentren zu stoppen. Sie sind für viele Eltern die erste Anlaufstelle für Beratung, Bildung und Unterstützung. Wer ihre Mittel nun in ein neues Fördermodell verschiebt, schafft keine zusätzliche Hilfe. Für die betroffenen Kinder und Familien bleibt es rechte Tasche, linke Tasche.
NRW braucht beides: Gezielte Unterstützung für besonders belastete Kitas und starke Familienzentren in allen Teilen des Landes. Der Kita-Sozialindex muss deshalb mit zusätzlichen Mitteln hinterlegt werden. Mehr Chancengleichheit entsteht nicht, indem die Landesregierung eine wichtige Leistung für Kinder gegen eine andere ausspielt.
Ministerin Schäffer versucht, die Verantwortung hierfür nach Berlin weiterzugeben. Frau Priens Aufschlag eines Bundesgesetzes ist in der Tat kein Fortschritt. Frühkindliche Bildung ist und bleibt aber eine zentrale Aufgabe des Landes. Wer vom Bund mehr Geld verlangt, muss im eigenen Haushalt selbst die richtigen Prioritäten setzen. Der ausgestreckte Finger nach Berlin ersetzt keine verantwortungsvolle Landespolitik.“